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Review: Rolex Submariner Date 126610LV (2020)

“Die Wunderuhr, die den Elementen trotzt”

Watches
Veröffentlicht von Ferdinand Vogler am 17.12.2020 6 min Lesedauer 1 Kommentar
7. Oktober, 1927. 34 Kilometer und eine Menge Wasser trennen Mercedes Gleitze von der Küste Frankreichs. Unermüdlich schwimmt die Londoner Sekretärin durch die hohen Wellen. Um ihren Hals zieht sie eine Rolex mit sich.

Über 15 Stunden später muss Mercedes die Durchschwimmung des Ärmelkanals abbrechen. Sie kann nicht mehr, die Wellen sind zu hoch. Bei 10 °C Wassertemperatur werden die Arme schnell müde. Die Zeiger der Rolex um ihren Hals laufen jedoch weiter und sind trocken geblieben. Sie laufen genau. Rolex’ Gründer Hans Wilsdorf nutzte das Vorhaben der jungen Britin, um die Qualität seiner Armbanduhren zu beweisen.

Zeitungsanzeige für Rolex Uhren vor den Klippen von Dover
24. November 1927. Anzeige in der Londoner Daily Mail

Einige Jahre später. Auf der Basler Uhrenmesse 1954 prangte in grossen Buchstaben Submariner: The Diver’s Friend. Die Submariner ist geboren. Von Anfang an positionierte sie sich als Sportmodell, mit der man nicht nur tauchen konnte, sondern die sich auch im Alltag tragen liess. Die doppelt gesicherte Krone ermöglichte eine Wasserdichtigkeit von 100 Metern.

Wir gehen 66 Jahre in die Zukunft, die Submariner durchlebte in unregelmässigen Abständen Modellerneuerungen, die gestalterischen Grundzüge von damals sind jedoch erhalten geblieben. Neue Farben kamen und gingen. Zum 50-jährigen Jubiläum bringt Rolex 2003 die Referenz 16610LV mit grüner Lünette heraus. Dieses Modell ist jetzt überarbeitet worden und erfährt mit der hier vorgestellten Referenz 126610LV ein Revival mit interessanten Details, die erst auf den zweiten Blick ersichtlich sind.

Das Zifferblatt und die Lünette

Rolex Submariner 126610LV am Handgelenk

Das Zifferblatt wird umrahmt von einer grünen Drehlünette, die mit einem Keramikeinsatz bestückt ist. Die Lünette ist drehbar, um kurze Intervalle stoppen zu können. Sie dreht sich nur im Uhrzeigersinn, damit Taucher nicht versehentlich zu lange unter Wasser bleiben, wenn sich die eingestellte Tauchdauer versehentlich verstellen sollte. Wie von Rolex zu erwarten hat die Lünette kein Spiel und rastet mit einem satten Klickgeräusch ein. Der Drehring lässt sich in 120 Teilschritten bewegen.

Ältere Modelle vor 2005 hatten einen Aluminiumeinsatz, auf denen Farbe gedruckt wurde. Warum nun Keramik? Rolex’ Cerachrom-Keramik ist kratz- und korrosionsbeständig, das Material an sich ist eingefärbt und hat keine oberflächliche Farbschicht, die abgekratzt werden könnte. Die Lünette wird mit den Jahren weniger Patina entwickeln. Man munkelt übrigens, dass das “LV” in der Referenznummer für das Französische “lunette verte” steht, zu Deutsch “grüne Lünette”.

🥁 Wrrristroll

Für optimale Ablesbarkeit hat das Zifferblatt keinen Schliff, es ist deckend schwarz. Die Stundenmarker aus Weissgold sind mit Chromalight-Leuchtmasse gefüllt und leuchten blau, gleiches gilt für den Stunden- und Minutenzeiger. Der Stundenzeiger fällt auf durch seine Kugel mit Spitze. In der Kugel ist ein Mercedes-Stern ausgespart – Zusammenhänge mit der Schwimmerin Mercedes Gleitze aus dem Intro sind wahrscheinlich zufällig.

Das Gehäuse

Das Innere der Uhr wird geschützt durch die patentierte Triplock-Aufzugskrone. Dabei wird das Gehäuse durch eine dreifache Dichtung versiegelt wie eine U-Boot-Luke.

Seitenansicht der Rolex Submariner 126610LV

Qualität duldet keine Zufälle, deswegen übernimmt Rolex die Herstellung seiner eigenen Komponenten. So leistet der Hersteller sich auch eine eigene Stahlgiesserei. Diese liefert den Oystersteel, bei dem es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um 904L-Stahl handelt.

Diese spezielle Legierung ist schwerer zu verarbeiten und zu polieren. Der Aufwand lohnt sich jedoch, da er besonders korrosionsbeständig ist und Meerwasser dem Stahl nichts anhaben kann. Das StahlPortal sagt, dass man den Stahl zwischen –60 °C und 400 °C einsetzen kann. Für Neugierige bleibt es wohl beim einmaligen Einsatz, wenigstens mit einer schönen Uhr.

Der Grossteil der Uhr ist parallel zum Armband matt gebürstet, lediglich die Seiten sind hochglanzpoliert.

Laut Spezifikationen misst die 2020er Submariner nun 41 mm statt 40 mm. Optisch wirkt die Uhr durch die verschlankten Hörner jedoch harmonischer und nicht grösser. Das bullige Gehäuse hat ein dezentes Facelift erhalten.

Die neue und alte Submariner im Direktvergleich

Bewege den Regler nach links und rechts, um die Unterschiede zwischen beiden Modellen zu sehen.

Links die alte Submariner, rechts die neue Submariner ab September 2020

Die Schliesse

Armband der Rolex Submariner
Die Oysterlock-Faltschliesse…
Armband der Rolex Submariner
…öffnet sich durch Anheben des ersten Sicherungshebels…
Armband der Rolex Submariner
…gefolgt vom Anheben der eigentlichen Schliesse.
Armband der Rolex Submariner
Dank des Gridlock-Verlängerungssystem gibt es 20 mm-Spielraum, die ohne Werkzeug eine Feinverstellung erlauben. Dieser Mechanismus ist gerade für Taucher vorteilhaft, da die Submariner so über dem Neoprenanzug getragen werden kann. Für hauptberufliche Deskdiver ebenfalls ein nützliches Feature, wenn das Handgelenk im Sommer im wohltemperierten Büro mal etwas schrumpfen sollte.

Das Werk

Rückseite der Rolex Submariner
Rolex Kaliber 3235
Rolex Kaliber 3235. Bild von CRM Jewelers (Link).

Obwohl manche Rolex mit Prunk und Prestige verbinden, so sind Rolexuhren auch Werkzeuguhren. Ein Glasboden mit Sicht auf das Werk stört diese Funktionalität und deswegen sind Rolexuhren mit einem Stahlboden verschlossen.

Sicherlich bietet Rolex keine Veredelung, wie man es von A. Lange & Söhne kennt, verstecken muss sich der kleine Motor der Submariner aber nicht. Hinter dem Deckel werkelt neuerdings das hauseigene Kaliber 3235, welches bereits 2015 seine Premiere feierte und sich in Rolex’ diamantenbeladener Pearlmaster und Sea-Dweller etablieren durfte. Die Gangreserve ist durch die effizientere Chronergy-Hemmung von 48 auf 70 Stunden angestiegen. Die Zeiger ticken mit 8 Einzelschritten/Sekunde (4 Hz). Im Dauerbetrieb käme das Werk so auf 250’000’000 Halbschwingungen pro Jahr.

Fazit: Vorwärts in Trippelschritten

Bei Rolex gilt Evolution statt Revolution. In Biel ist man typisch Schweizerisch eher zurückhaltend und verändert nicht, was gut funktioniert. Das gilt auch für die neue grüne Kermit, manche nennen sie auch liebevoll Starbucks, in Anlehnung an das Logo des Kaffeeimperiums. Neues Werk mit 70 Stunden Gangreserve, verschlanktes Gehäuse, Keramiklünette. Die wesentlichen Änderungen lassen sich an drei Fingern abzählen. Das macht die Uhr nicht weniger interessant. Jetzt kommen auch dünnere Handgelenke für dieses sonst eher wuchtige Modell in Frage.

Die Submariner passt zu allen Anlässen: ob zur Hochzeit, Gartenarbeit oder lässig zu T-Shirt und Jeans. Dress it up or down – schwarz ist etabliert, aber die grüne 126610LV ist auf bestem Weg zu einem eigenen Klassiker.

Technische Daten

Werk

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1 Kommentar

  1. Armin Thompson • 7.3.2021

    Dankeschön für die ausführliche tolle Beschreibung! Wegen Dir kaufe ich doch vielleicht das neue Modell anstatt wie geplant ein Vintage Modell 🙈👍🏼

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